„Dr. Urban und Mr. Hide“ mit Linoleum Art Referenz: Kindertagesstätte der Universität Göttingen
Bildungsbauten haben das Potenzial, gesellschaftliche Veränderungen in Gang zu setzen, indem sie architektonische und ökologische
Qualitäten vorleben. Mit ihrer Kindertagestätte für die Universität Göttingen wollen Despang Architekten deshalb einen neuen
Prototyp entwickeln – postfossile Architektur bewertet fossile Bestände als zu kostbar, um sie einfach zu verbrennen.
Göttingen ist für Deutschland, was Cambridge für England ist und Yale für die USA: Provinziell gelegen, doch ganz der Forschung
und Lehre verschrieben. Die neue Kindertagsstätte sollte zwischen dem Campus und einem angrenzenden Park entstehen. Despang
Architekten unter Projektleitung von Philip Hogrebe entwarfen das Gebäude als ein Hybrid aus Natur und Architektur. Der Architekt
Günther Despang erklärt dazu: „Das Gebäude hatte den Arbeitstitel „Dr. Urban und Mr. Hide“, aufgrund seiner zwei Gesichter
– urban und versteckt zugleich.“ Schaut man nach Süden ist der Kindergarten als Gebäude erkennbar. Dagegen ist er im Westen
und Norden so in die Landschaft einmodelliert, dass er als solcher nicht mehr sichtbar ist. Hier wölbt sich nur ein begrünter
Hügel aus der Wiese. Schmunzelnd fügt Martin Despang hinzu: „Damit sind auch die unter Naturschutz stehenden Feldhamster zufrieden.“
In seinem Grundriss beschreibt der Kindergarten einen Bogen und beansprucht etwa ein Viertel eines breiten Ringes. Die äußere
Front nach Süden zum Park hin ist mit großen Fensterflächen versehen, ebenso die östliche stumpfe Seite. Im Norden und Westen
schiebt sich das Gebäude in einen Hügel. Mit einem Gründach ist es von dort aus auch begehbar und integriert sich in den Park.
Der Zugang befindet sich im Osten.
„In der artenreichen Wüste von Tucson, Arizona, haben wir erlebt, wie Lebewesen sich tagsüber unterirdisch aufhalten und die
geothermale Kühlung nutzen“, berichtet der an der University of Arizona lehrende und forschende Martin Despang. „Diese Idee
haben wir in Göttingen eingebracht: Das Haus soll sich wohlig anfühlen und thermisch selbstregulierend sein, indem es die
solare Energie und nächtliche Kühlung in sich aufnimmt, speichert und verzögert wieder abgibt.“
Wände und Decken der Kindertagesstätte sind als Betonfertigteile ausgeführt und wurden vor Ort im Baukastensystem zusammengeführt.
Licht lockert den monolithischen Bau auf und lässt den Beton samtig erscheinen. Der Flur wird punktiert mit einer Reihe von
Oberlichtern. Die Räume lassen sich in Zonen ansteigender Raumhöhe einordnen. In den niedrigen Bereichen befinden sich Neben-
und Haustechnikräume sowie WCs. Der Spielflur ist die kommunikative Zwischenzone zu den hohen Wohn- und Schlafräumen, die
mit einer Vollverglasung optisch ins Freie überleiten.
Im Inneren zieht sich „ungeschminktes“ Holz durch das Gebäude: Möbel, Türen, Einbauten sind aus hellem Fichtennadelholz gefertigt.
„Beim Boden haben wir uns für die DLW Linoleum Art von Armstrong entschieden, denn sie vereint Tradition und Innovation“, erklärt Martin Despang. „Der Bodenklassiker für Kindergärten
ist hier versehen mit Einstreuungen aus echtem Aluminium. „Firmament Black“ erweckt damit den Eindruck des reflektierenden
Glitzerns eines Sternenhimmels auf einem nächtlichen Gewässer.“ Die Spielsachen der Kinder, deren Ausstrahlung und Lebendigkeit
wirken darauf wie farbige Inseln.
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