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Architektur-Workshop Indien

Im November 2006 reiste eine Gruppe von Architekten und Armstrong-Mitarbeitern nach Indien, um Inspiration und neue Ideen zu sammeln. In einer Serie kurzer Interviews mit den Teilnehmern des Workshops wollen wir Ihnen ihre Eindrücke von der Kultur und der Architektur des Landes vorstellen.








Dionys Ottl

Hild und K Architekten
München

www.hildundk.de
     
   1. Hatten Sie im Vorfeld der Reise irgendwelche Erwartungen?

Für denjenigen, der noch keinen direkten Kontakt zu Lebenswelten wie die Indiens hatte ist das gedachte Bild des Landes ein sehr diffuses: zum einen wird es geformt von der Vorstellung aus der Welt des Kinos oder Films in der das Land seit Jahrhunderten schwankt zwischen den Veränderungen einer feudalen Kolonialisierung und ausserordentlicher möglicherweise auch damit einhergehender Armut. Im Grunde genommen reiste die Erwartung mit, das zu sehen was man meinte aus dem im Ghandi-Film zu kennen. Zum anderen begleiten einen auch die gut gemeinten aber vielleicht eher befremdenden zeitgenössischen esoterischen Ratschläge und Vorstellungen von Freunden, die das Land zum Ort der endgültigen Glücksverheissung verklären. Doch zum Glück sind die Eindrücke alle ganz anders und formen sich vor Ort zu einer ganz eigenen Collage welche kein endgültiges Bild, kein Fazit, keinen alleingültigen Eindruck prägt.


2. Ist die indische Kultur, ihre Architektur und ihre Farben eine Inspirationsquelle für Sie?

Gerade die allgegenwärtigen und sehr extremen Widersprüche des Landes sind diejenigen, die den bleibenden Eindruck prägen. Jenseits der architektonischen Bildern sind es gerade die gesellschaftlichen Eindrücke welche man aus dem Land mitnimmt: Das Land scheint gleichzeitig in den verschiedensten Zeitebenen zu leben und gerade die Begegnung mit dieser Gleichzeitigkeit verschiedenster Epochen, die alle in der einen Gegenwart stattfinden - von fast mittelalterlicher Lebenswelt über barockem Absolutismus bis zur Perspektive künftigen Kapitalismus - berührt auch den Architekten, der erkennt dass er offenbar doch nicht ausschliesslich in der einen Gegenwart lebt und arbeitet.


3. Wie würden Sie den Armstrong Workshop bewerten?

Diese Reise war ausschliesslich von Höhepunkten geprägt – sowohl und ganz besonders auf der persönlichen Ebene aber natürlich auch aus der Sicht des Architekten. Besonders faszinierend erschien mir die Idee Jaipurs, die ganz und gar über die Ausschliesslichkeit einer Farbe zu geprägt ist. Statt sie im europäischen Sinne mit einheitlichen Stilen, Alleen, Promenaden quasi eine Stadt ordnend zu prägen wurde hier die gesamte Innenstadt mit einer einzigen Farbstellung – Orange-Rosa mit weissen Gliederungen - in ein homogenes Ganzes gefasst die wie ein Farbschleier über alles Gebaute von einer Mauer über einfachste Häuser bis hin zu Stadtpalästen liegt. Einfacher und dennoch abwechslungsreicher kann Ordnung und Struktur eigentlich nicht hergestellt werden.


4. Was nehmen Sie ganz persönlich von dieser Reise mit?

Ein Workshop in einer vom Alltag losgelösten und hiervon völlig unterschiedlichen Welt bietet zum Einen die Möglichkeit die eigene Vorstellungswelt leichter zu befreien und in ihr sehr viel weiter zu wandern als dies oft im Büroalltag möglich wäre. Darüber hinaus ist aber auch die enge Begegnung mit Kollegen und deren unterschiedlichen Arbeitsweisen eine ganz besonders inspirierende Situation. Die Idee gerade Bodenflächen über bestimmte, zunächst nicht unbedingter naheliegender Oberflächen wie reinweisser jedoch, nicht verschmutzender – sozusagen unbefleckter - Belag oder sich auflösender hochspiegelnder oder von Licht und Schatten geprägter Fussboden war gerade in einem Land wie Indien zunächst so gar nicht naheliegend jedoch trotzdem nach wenigen Tagen im Land zumindest in meiner Vorstellung ausgerechnet hier irgendwie erstaunlich auf sehr direkte Weise hierin verortet.


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