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ARCHITEKTUR UND KUNST

KSENIA PIĄTKOWSKA



Ksenia Piątkowska
Architektur und Kunst auf den großen Weltausstellungen


Als Architektin fasziniert mich das Expo-Phänomen. So freue ich mich immer auf die nächste Weltausstellung, um moderne, bahnbrechende Architektur und die neuesten Entwicklungen der Kunst zu sehen.

Meiner Ansicht nach sind Expos einerseits wichtige Motoren für soziale Energien, andererseits verdanken sie ihre Existenz auch ebendiesen Energien. Expos sind immer mehrdimensional. Hier mischen sich unterschiedliche Traditionen, hier werden sie zu einem flüchtigen, komplexen Gesamtgebilde zusammengeballt – und wahren doch alle ihre eigene Identität. Solche Ausstellungen können als große Versöhnung zwischen der Präsentation technischer Errungenschaften, religiösen Zeremonien, säkularen Riten, populärer Unterhaltung und Volksfest verstanden werden.

Expos zeigen uns, wo wir jetzt und in Zukunft stehen, sie wollen unsere Ambitionen und Ideen verdeutlichen – und nutzen dafür Architektur und Kunst als non-verbale Kommunikationsmittel. Die Architektur der Weltausstellungen verdeutlicht die Energie, in der sich die Gemeinschaften finden und die sie prägen. Sie ist eine Demonstration politischer oder religiöser Überzeugungen, auf die sich Wohlstand und Stärke der jeweiligen Nation gründen. Die Architektur der Expos symbolisiert das offizielle, abschließende Einverständnis über den Ausgleich zwischen der Sphäre des Sacrum und der Sphäre des Profanum, über den Ausgleich zwischen den heiligen und weltlichen Werten. Sie verbindet und versöhnt spirituelle Teilhabe mit gewöhnlichem Konsum. Mit ihrer architektonischen Präsentation auf der Weltausstellung haben die Länder die außergewöhnliche Chance, ihre Entwicklung auf fast allen Gebieten darzustellen – von der Ökonomie bis zur Ökologie.

Die Expo ist ein Beispiel für die Verflechtung einander gegensätzlicher Handlungsschemata – Spiel und Schauspiel zugleich. Hier gelten völlig andere Kriterien für die Bewertung der architektonischen Lösungen, die im Rahmen von Weltausstellungen realisiert werden, als für die Bewertung von Lösungen in unserer Alltagsumgebung. All das, was unter alltäglichen Bedingungen aufgrund surrealer Ansätze und Lösungen abgeurteilt würde, entzückt, verzaubert und reizt bei Expos.

Die Konstrukteure der Expo-Pavillons arbeiten mit den modernsten Errungenschaften progressiver Architektur und Technik. Diese Architektur ist eine bildhafte Verdeutlichung moderner, bisweilen gar zukunftsweisender ästhetischer Strömungen. Gleichzeitig ist die architektonische Formensprache bei Weltausstellungen mit ihrem flüchtigen Charakter weit von den primären Zielen der Architektur entfernt, nämlich die sozialen Bedürfnisse unserer alltäglichen Existenz zu befriedigen. Die Expo-Pavillons sind physische Ausdrucksmittel, die das Streben nach Bekräftigung der Autoritäten unterstreichen. Sie zeigen die Errungenschaften der Zivilisation und verdeutlichen das Bedürfnis nach Integration. Bei allem Ausgleich unterliegt die Architektur der Weltausstellungen doch immer sehr unterschiedlichen formalen Prämissen. So wird sie zur „autonomen Kunst der Konstruktion”.

Trotz ihres bisweilen vulgären, infantilen oder übertriebenen Charakters, trotz ihrer äußersten Impraktikabilität ist die Architektur der Weltausstellungen ein großartiges, unglaublich reiches und spektakuläres Zeugnis der Möglichkeiten menschlichen Schaffens und Strebens.

Dipl.-Ing. Arch. Dr. inż. arch. Ksenia Piątkowska
Technische Universität Gdańsk
Institut für Architektur / Öffentliche Bauten


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