Bodenbeläge | Belgien


DESIGN

ROLAND HELLMANN



Roland Hellmann, long-time Armstrong DLW
Linoleum and Design employee – an excursion into history


Herr Hellmann, Sie sind schon länger im Ruhestand, betreuen aber ehrenamtlich das Archiv bei Armstrong und sind erster Ansprechpartner zur Historie des Unternehmens in Deutschland. Wie lange waren Sie im Unternehmen beschäftigt?

Roland Hellmann: Ich bin am 1. April 1960 zur „Deutsche Linoleum Werke Aktiengesellschaft“ gekommen und war 32 Jahre bis zum November 1992 dort tätig – und zwar im Export.

Linoleum hat viele Berührungspunkte mit Kunst und Design, bedeutende Architekten, Designer und Künstler verhalfen dem Inlaid-Linoleum zu anspruchsvollen, oft an den Jugendstil angelehnten Mustern. Peter Behrens hat zeitlos schöne Dessins entworfen, aus dem Bauhaus ist es nicht wegzudenken. Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen zu diesem Thema besonders in Erinnerung geblieben ist?

Roland Hellmann: Oh ja, zum Beispiel in der „Köpenick“ Siedlung in Bietigheim, das waren die Arbeiterhäuser der DLW Anfang des 20. Jahrhunderts: Eines Tages bekam ich einen Anruf eines Hausbesitzers, der bei Umbauarbeiten des Dachbodens auf einen alten Bodenbelag gestoßen war. Er bat mich um Unterstützung bei der Identifizierung des Belages. Nachdem wir Staub und Mörtel abgeputzt hatten, kam ein traumhafter Rosenteppich aus Linoleum zum Vorschein mit einem wunderschönen zartrosa Röschenmuster. Auf der Rückseite konnten wir noch „Germania“ entziffern, also musste er vor 1926 in Bietigheim produziert worden sein.

Ebenfalls faszinierend finde ich die Musterbücher der Linoleumfabriken aus den Jahren 1900-1920 im Bietigheimer Archiv. Aus diesen Jahren gibt es eine überwältigende Fülle von Linoleum Mustern und Motiven. Die Musterungen reichen von floral über abstrakt, von geometrisch klein- bis grossrapportig, es gibt Parkett-, Holz- und Steinimitationen sowie Mosaikoptiken und Ornamente. Ein Augenschmaus und eine Ideenfundgrube sondergleichen.

Was sind Design-Klassiker im aktuellen Sortiment? Gab es Zeiten, in denen bestimmte Farben oder Strukturen besonders gefragt waren?

Roland Hellmann: Uni Walton ist der Klassiker, der seit Anfang an dabei ist. Bei den gemusterten Qualitäten hält sich Marmorette seit mehr als 50 Jahren auf dem Markt. Andere Strukturen kamen und verschwanden wieder. Anfang des 20. Jahrhunderts waren eher grobe, granitartige Strukturen gefragt, heute sind sie feiner, eleganter und tendenziell richtungsfrei.

Wie oft müssen Sie noch in den alten Kollektionen stöbern, weil Böden historisch rekonstruiert werden sollen?

Roland Hellmann: Da gibt es jede Menge Anfragen, meist von Architekturbüros oder von Restauratoren. Manchmal schicken sie mir ein Stück altes Linoleum, manchmal geht es darum, die ursprüngliche Farbe mit einer Sonderproduktion nachzustellen. In vielen Fällen ist es möglich, mit Hilfe der alten Musterbücher das Linoleum zu identifizieren oder das Herstellungsjahr einzukreisen. So liegt neues DLW Linoleum nach altem Vorbild beispielsweise im Bauhaus in Dessau, der Bundesschule des ADGBs in Bernau bei Berlin, dem Bremer Rathaus oder in der Villa Tugendhat in Brünn.

Vielen Dank für diesen spannenden Ausflug in die Geschichte der DLW!

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