Bodenbeläge | Kroatien


FARBE

INTERVIEW MIT EMMI MIESKES



Emmi Mieskes, Produktdesignerin bei Armstrong
Farbtrends in Europa


Sie beschäftigen sich mit der Entwicklung neuer Designs und Farben. Woher kennen Sie die Trends, woher wissen Sie, welche Richtung Sie mit den Kollektionen einschlagen müssen, die ja teilweise 3-4 Jahre erfolgreich verkauft werden?

Zuallererst beobachten wir natürlich ganz genau den Markt, sprechen mit Architekten und unserem Außendienst, gehen auf Messen. Daneben halten wir uns über die kommenden Trends auf dem Laufenden, die sich bis zu zwei Jahren vorhersagen lassen. Da gibt es spezielle Fachbücher, Zeitschriften, aber auch internationale Websites und Foren, die sich mit Entwicklungen im Interieurbereich, in der Architektur und im Design beschäftigen.

Sie entwickeln Kollektionen für den gesamten europäischen Markt. Ist es schwierig, solch umfassende Kollektionen zu entwerfen? Gibt es nationale Vorlieben, die berücksichtig werden müssen?

Es ist nicht ganz einfach, alle länderspezifischen Wünsche unter einen Hut beziehungsweise in eine Kollektion zu bringen. Fast unmöglich wäre es, auch noch die Geschmäcker von Nordamerika oder Asien zu berücksichtigen. Innerhalb Europas ist das schon eher möglich. Da gibt es vor allem Unterschiede zwischen Nord und Süd.

Heißt das, der Norden nutzt andere Farben als der Süden? Warum?

Die Innenarchitektur im Norden ist geprägt von klaren Linien und Formen, einem reduzierten Design und Holz ist beliebt. Passend dazu werden für den Boden vor allem Grautöne gewählt – da aber die unterschiedlichsten Nuancen. Außerdem sind dezente Beigetöne gefragt, die sehr gut mit Holz harmonieren. Farbige Akzente werden in den eher neutralen Interieurs lieber mit wechselnden Details gesetzt, mit einem maigrünen Kissen beispielsweise, einem rot gemusterten Dekostoff oder einem hellblauen Stuhl.

Im Süden dagegen ist eher eine farbenfrohe Klassik gefragt, hier werden Pastelltöne in den verschiedensten Nuancen eingesetzt. In einem Objekt kommen häufig mehrere Farben zum Einsatz, etwa pro Etage ein anderer Pastellton. Frankreich hat einen eleganten Stilmix entwickelt, in England verkaufen sich auch dunkle Farben, wie schweres Rot oder dunkles Grün, sehr gut. Diese wiederum werden in anderen Ländern so gut wie gar nicht genutzt.

Wie bringen Sie die unterschiedlichen Wünsche zusammen?

Wir achten darauf, so gut wie möglich alle Richtungen abzudecken, das heißt, dass die Kollektionen sowohl einen breiten Graubereich haben, viele Pastelltöne, aber auch Akzentfarben. Trotzdem muss am Ende eine in sich stimmige Palette entstehen, die sich auch optisch in einem Leporello präsentieren lässt. Das ist die Kunst dabei.

Gibt es auch unterschiedliche Vorlieben im Hinblick auf die Strukturen, etwa Marmorette oder Uni Walton?

Nein, die gibt es so nicht, die Strukturwahl ist in erster Linie abhängig vom Einsatzbereich. So wird Marmorette gern im Gesundheitswesen genutzt, weil es unempfindlich und sehr pflegeleicht ist, oder Colorette wegen ihrer Farbigkeit häufig in Schulen und Kindergärten.

Sie sind sehr nah an Ihren Zielgruppen, Sie sprechen mit Architekten, Planern, Endnutzern. Reicht das als Erfahrungswissen?

Nein, natürlich nicht, da machen wir noch einiges mehr: Vor Kurzem haben wir beispielsweise einen Alterssimulationsanzug ausgeliehen. Damit kann man sich in die Lage älterer Menschen versetzen: schwerhörig, eingeschränkt in der Bewegung und durch einen Helm mit Grünschimmer konnten wir nur unscharf sehen. Damit sind wir dann über die verschiedenen Strukturen und Farben gelaufen und haben festgestellt, dass man sich unsicher fühlt auf dunklen und kühlen Farbtönen, auch ein heller, fast weißer Boden war eher unangenehm. Warme Farbtöne dagegen vermitteln ein Gefühl von Sicherheit, ebenso Holzanmutungen und warme Grautöne. Das ist wichtig zu wissen, gerade bei der Entwicklung von Farbpaletten für den Einsatz in Krankenhäusern oder Pflegeheimen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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