Bodenbeläge | Kroatien


FARBE

INTERVIEW LINO ART



Interview mit der Armstrong-Designerin Heike Rittler

Hinter jeder neuen Bodenbelagskollektion stecken viele kreative Köpfe. Bei Lino Art war die Armstrong-Designerin Heike Rittler von Anfang an dabei – von der ersten Inspiration und wilden Ideen, Reaktion seitens der Architekten über die technische Entwicklung bis hin zum Launch. Wir haben nachgefragt, welche Arbeit hinter einer wirklich neuartigen Kollektion steht.

Frage: Lino Art verfolgt einen vollkommen neuen Ansatz im Linoleumdesign. Es wurde nicht nur eine Farbe oder Struktur entwickelt, es wurden ganz neue Materialien integriert. Wie kam es zu der Idee?

Antwort: Wir beobachten sehr genau die Entwicklungen in der Architektur und im Interieurdesign, haben engen Kontakt zu Architekten, Planern und Designern, lassen uns inspirieren auf Messen und bei Ausstellungen. Die zeitlose Schönheit und das würdevolle Altern diverser Rohmaterialien und Metalle haben uns fasziniert. Auf der anderen Seite kennen wir Linoleum in seiner Materialität, Linoleum ist ja ein sehr authentisches Material, natürlich, aber auch ein wenig eigensinnig, nicht alle Ideen lassen sich realisieren, aber es macht Spaß mit Linoleum zu arbeiten. Man muss immer auch den Herstellungsprozess im Kopf behalten um neue Strukturen und Optiken zu kreieren.

So entstand auch die Idee Echtmetall mit einzuarbeiten.

Frage: Und dann ist aus der Idee, Echtmetall einzustreuen, ein ganz eigenständiges Design entstanden?

Antwort: Ja, faszinierend fand ich die Kombination von klassischem, eher mattem Linoleum mit den glänzenden Flakes, die dem Material durch Lichtreflexionen eine schimmernde Eleganz verleihen. Um den Architekten freie Assoziationen anzubieten, haben wir einen Leporello zur Kollektion entwickelt, als Inspirationsquelle mit Bildwelten von „rough to refined“ mit würdevoll gealtertem Industriedesign kombiniert mit Skulpturen aus verwittertem Stahl.

Frage: Der Ansatz klingt spannend. War es schwierig und wie lange hat es gedauert, das Produkt in die Realität umzusetzen?

Antwort: Die ersten Ideen hatten wir bereits 2008, haben verschiedenste Einstreuungen ausprobiert und auf der BAU 2009 erste Prototypen vorgestellt. Auf Grundlage der Architekten-Reaktionen haben wir dann die Größe und Dichte der Flakes und deren Menge festgelegt. Wir konnten zudem gleich abfragen, welche Farben sich die Architekten im Objekt vorstellen. Zusammen mit Kollegen im Werk Delmenhorst, u.a. Marco Dowidat Eskes, habe ich die Einstreuungen selbst an der Produktionsmaschine vorgenommen. Es war faszinierend, wie die schimmernde Masse über die Maschinen lief.

Frage: Hat denn gleich beim ersten Versuch alles geklappt?

Antwort: Die richtige Dichte der Einstreuungen zu finden war nicht einfach – auch nicht, dieses regelmäßig zu verteilen. Die nächste Herausforderung waren die diversen Qualitätsprüfungen, die das Material dann durchlaufen musste: Langzeittests, wie reagiert das Material bei Feuchtigkeit, wie ist das Abriebverhalten, gibt es Farbveränderungen etc. Da mussten noch letzte Anpassungen vorgenommen werden.

Frage: Wie viele Ideen entwickeln Sie? Welche Herausforderungen gibt es im Hinblick auf die technische Umsetzung oder die Marktresonanz?

Antwort: Ideen haben wir wirklich jede Menge, immer im intensiven Austausch und im Gespräch mit den Architekten. Aber Linoleum ist ein sehr eigenwilliges Material, es hat Charakter – und gerade deswegen liebe ich es, aber es möchte verstanden werden. Als ein Naturprodukt reift es, ähnlich wie ein guter Wein oder Käse, sehr unterschiedlich – das erfordert vor allem eins: Geduld.

Frage: Das heißt, das Material an sich inspiriert schon?

Antwort: Ja, viele Ideen kommen mir beim Teigmachen, beim Kneten und Bearbeiten, hier sehe ich auch direkt, wie das Material reagiert. Manche kreativen Ansätze sind aber einfach technisch nicht umsetzbar, manches kommt nicht durch die strengen Qualitätskontrollen. Bei allen Entwicklungen behalte ich aber den Einsatzbereich als wichtigen Aspekt im Auge, denn wir wollen keinen tollen Bodenbelag entwickeln, der sich dann nirgendwo einsetzen lässt.

Frage: Bei der letzten DLW Linoleum Kollektion wurde größter Wert auf ein stimmiges Farbsystem gelegt. Wie passt Lino Art in dieses System?

Antwort: Lino Art haben wir ganz klar als weiteres Architektentool entwickelt. Die Farbwelt umfasst jetzt 18 Nuancen im Schwarz-, Grau- und Braunbereich. Die Echtmetall-Varianten und Bronze-Töne haben wir bewusst um Lino Art Star und Lino Art Linea für ein stimmiges Farbsystem ergänzt. Die einzelnen Farbtöne sind zudem auf Uni Walton und Nadelvlies abgestimmt und lassen sich mit deren Farben bestens kombinieren.

Frage: Armstrong hat die neue Kollektion Lino Art Anfang 2010 am Markt vorgestellt. Was waren die ersten Reaktionen, wie wird die Kollektion inzwischen angenommen?

Antwort: Sowohl bei unseren Kunden, Architekten und Planern wurde die Kollektion sehr positiv begrüßt. Es gab ganz unterschiedliche Assoziationen zu Beton, zu Holz, zu Patina. Auch die Kombinierbarkeit mit Uni Walton und Nadelvlies ist ein Pluspunkt.

Frage: Wo haben Sie ursprünglich den Einsatz von Lino Art gesehen, wo wird es – bisheriger Stand – eingesetzt?

Antwort: Die Einsatzgebiete haben wir vor allem im repräsentativen Bereich gesehen, in Museen, Officebereiche, Showrooms, im Ladenbau. Überrascht hat uns, dass die Kollektion auch schon für einen Kindergarten sowie für Alten- und Pflegeheime angefragt wurde.

Frage: Noch eine letzte Frage-, hat Armstrong schon etwas Neues in der Pipeline?

Antwort: Natürlich, wir haben jede Menge Ideen und einiges in der Pipeline. Aber das werde ich jetzt noch nicht verraten. Nur so viel: Bald schon gibt es mit DLW Linoleum Form einen spannenden DLW Linoleumlaunch.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Kasten: Heike Rittler ist seit 2007 Designerin bei der Armstrong DLW GmbH in Bietigheim. In enger Zusammenarbeit mit Architekten, externen Farbdesignern und Spezialisten bei Armstrong entwickelt Heike Rittler neue Farben und Ideen für DLW Linoleum, Nadelvlies und Vinyl Homogen. Zuvor war die Diplom-Ingenieurin für Textildesign unter anderem in der Schweiz 10 Jahre als Chefdesignerin der Calwer Tuche GmbH tätig.

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