Der Mensch kann zwar mehrere Millionen unterschiedliche Farben sehen, sie in ihrer Vielfalt aber nur sehr rudimentär benennen.
Hier helfen Farbsysteme: Sie ordnen den Farbraum, bilden eine Plattform für die Kommunikation und sind Werkzeuge für die Gestaltung.
Farbe ist ein verbal kaum zu beschreibender visueller Sinneseindruck – vor allem, wenn es um feine Nuancen geht, auf die es
nicht nur in der Architekturgestaltung ankommt, versagt die Kommunikation. Wie also lassen sich Farben exakt beschreiben,
ohne ein Originalmuster vorliegen zu haben oder vor Ort zu sein? Die Lösung findet sich in Farbsystemen oder Farbsammlungen,
die Farbtöne mit einem eindeutigen Code versehen und damit deren weltweite Reproduzierbarkeit garantieren sollen. Die bekanntesten
und auch verbreitesten nennen sich RAL und NCS. Mit Farbmodellen wie sie Goethe oder Itten erstellten, haben diese Systeme
allenfalls den Ansatz gemein: Sie versuchen, für die fast unendliche Weite der Farbwelt ein ordnendes Schema zu finden. Während
die alten Meister aber empirisch herangehen und stark von der Ästhetik geleitet werden, folgen die modernen Systeme einem
wissenschaftlicheren Ansatz – und haben auch eine andere Aufgabe. Nicht die Erklärung des Farbphänomens steht im Vordergrund,
sondern die Funktion als Werkzeuge für die Praxis des Farbdesigns, der Farbkonzeption und -anwendung.
RAL-Design und NCS sind konzipiert, den Farbraum vollständig in einem definierten System abzubilden – und zwar unabhängig
vom Material, das diese Farbe repräsentiert und auch unabhängig vom Hersteller des farbigen Werkstoffes. So lassen sich Farbdesigns
universell erstellen, da der farbmetrische Code eindeutig hinterlegt ist und materialunabhängig umsetzbar ist.
Das RAL-Design wurde 1993 entwickelt, besteht aus 1.688 Tönen, die durch Aufhellung oder Abdunklung von 39 Bunttonfamilien
entstehen. Als Grundfarben dienen Rot, Blau und Gelb – eine siebenstellige Codierung definiert die Farben nach den farbmetrischen
Werten Buntton, Buntheit und Helligkeit. Das Natural Color System, kurz NCS, kommt aus Skandinavien, wo es heute eine Art
Industriestandard darstellt. 1969 erstmals vorgestellt, basiert es auf sechs Grundfarben: auf Weiß, Schwarz, Gelb, Rot, Blau
und Grün. 1.750 Farben aus 40 Bunttonebenen (die wiederum aus Abmischungen der Grundfarben resultieren) werden über einen
nummerischen Code fixiert, der den Schwarzanteil, den Buntanteil und den Buntton selbst angibt.
Besonders NCS hat sich zu einem internationalen Referenzwerk entwickelt, das in vielen Bereichen genutzt wird. Beispielsweise
auch für die globale Markenführung, die eng mit der Konsistenz der Corporate Color oder der Markenfarbe zusammenhängt. Und
das betrifft heute längst nicht mehr nur die Baubranche, auch die Lebensmittel- oder Kosmetikindustrie setzt auf einheitliche
Farbstandards. Übrigens sind Farbsysteme nicht zu verwechseln mit Farbsammlungen wie Pantone oder RAL Classic. Diese greifen
aus dem Farbraum lediglich einzelne Farbtöne heraus, definieren diese farbmetrisch und geben ihnen eine eindeutige Bezeichnung.
Doch die einzelnen Farben stehen in keinem direkten Bezug zueinander wie in Systemen mit ihren Aufhellungs-, Vergrauungs-
und Buntreihen.
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