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FARBE

INTERVIEW MIT PROFESSOR HANS NICKL



Interview mit Prof. Hans Nickl
Nickl & Partner Architekten AG

Bauen fürs Gesundheitswesen


In Ihrem Architekturbüro haben Sie sich spezialisiert auf Gesundheitsbauten, und Sie haben eine Gastprofessur in Berlin am Fachgebiet „Entwerfen von Krankenhäusern und Bauten des Gesundheitswesens“. Was fasziniert Sie an dem Thema? Wie sind Sie zu dieser Spezialisierung gekommen?

Für mein Verständnis stellt die Architektur ein zentrales Element im menschlichen Leben dar. Sie beeinflusst, ob wir uns wohl und geborgen fühlen oder Unbehagen empfinden. Dies spielt insbesondere in der Krankenhausarchitektur eine große Rolle. Durch Krankheit und die damit verbundenen Ängste geschwächt, benötigt der Mensch einen Raum, in dem er sich aufgehoben und im besten Sinne geborgen fühlt. In unserer Architektur versuchen wir, diesen Anspruch zu erfüllen, und sehen den einzelnen Menschen – Patient, Personal oder Besucher – als bestimmendes Maß für die Planungsaufgabe.

Meine Bürolaufbahn führte konsequenterweise über sakrale Bauten und soziale Wohnprojekte weiter zu Gesundheitsbauten. Gemeinsam mit meiner Frau Christine Nickl-Weller, Professorin des Lehrstuhls „Entwerfen von Krankenhäusern und Bauten des Gesundheitswesens“ an der TU Berlin, beschäftige ich mich seit mehr als 30 Jahren mit den theoretischen und praktischen Fragen der Krankenhausarchitektur. Während ich in der Lehre an neuesten Forschungen wie „Healing Architecture“ arbeite, dient das gemeinsame Büro als praktisches Experimentierfeld. Ein Beispiel für die gelungene Anwendung in der Praxis ist der Neubau für das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Unsere Vision für das neue UKE war es, neben den Fragen zur Funktionalität und dem architektonischen Ausdruck, eine zeitgemäße Antwort auf die Frage nach der Präsenz der Klinik in der Stadt zu finden und darauf, inwieweit Funktion, Material und Konstruktion über ihren technischen Nutzen hinaus am Bauwerk ästhetisch wirksam werden.

Was geben Sie Ihren Studenten mit auf den Weg, was sollen sie besonders beachten, wenn Sie ein Krankenhaus entwerfen?

Die grundlegenden Entwurfselemente für die Qualität in der Architektur von Krankenhäusern umfassen: Den Bezug zum Bestehenden und zur Stadt, die Einheit von Technik und Konstruktion und die Gestaltung und Organisation von Räumen. Dabei ist immer der Mensch als zentraler Ausgangspunkt zu betrachten. Trotz allen funktionalen Anforderungen muss man sich planerische Freiheit schaffen, muss man Visionen entwickeln und die Idee vermitteln: Das wird unsere Klinik sein!

Ein Highlight Ihrer Arbeit ist die Kinderklinik in Heidelberg, ein farbenfroher Blickfang in der Heidelberger Kliniklandschaft, bunte Farbbänder setzen kräftige Akzente auf der transparenten Fassade. Was war Ihr Ansatzpunkt für dieses Konzept?

Die Inspiration für den Entwurf zur Kinderklinik hat einen verspielten Hintergrund: Ausgehend von jenem berühmten, bunten „Zauberwürfel“ des ungarischen Bauingenieurs und Architekten Ernő Rubik aus den 70er Jahren schufen wir eine einfache Form, spielerisch und doch in der Lage, hochkomplexen Abläufen und einer großen Funktionsvielfalt eine klare Ordnung im Gebäude zu geben. Die verwendeten Primärfarben dienen den Patienten, ihren Besuchern und dem Personal als subtile Orientierung im Gebäude. Horizontal angeordnete farbige Gläser an der Fassade werfen im Sonnenlicht bunte, sich stetig verändernde Bilder an die Wände der Räume. Auf diese Weise treten für die kleinen Patienten und ihre Angehörigen die eigentliche Funktion des Gebäudes und hoffentlich auch die zu behandelnde Krankheit zurück.

Herzlichen Dank Prof. Nickl, dass Sie sich die Zeit genommen haben für unsere Fragen!

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